| Der
Aderlass
Als
Therapieform ist der Aderlass in der Schulmedizin bis auf wenige Ausnahmen
fast völlig verschwunden, dabei galt er in den verschiedensten Systemen
der Heilkunst vom Altertum über das Mittelalter bis in die Neuzeit
hinein als wirksames und zuverlässiges Mittel bei Zuständen wie:
Der bekannte Humoralmediziner Hufeland zählte die "blutentziehenden Verfahren" zu den Kardinalmitteln der Medizin, da hierbei " die schlechten Säfte " aus dem Körper entfernt wurden. Auch Galen (129 n.Chr.) räumte in seinem 20-bändigen Werk dem Aderlass eine hervorragende Stellung ein. Die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen (1098- 1179) legte ebenfalls größten Wert auf den Aderlass, wobei sie den Aderlass speziell bei Vollmond empfahl. Obwohl
bei diesem Hildegard´schen Aderlass nur minimale Blutmengen
entzogen werden sind die Wirkungen oftmals verblüffend und teilweise
nicht zu erklären.
Durch
das Aufkommen der Zellularpathologie durch Virchow im 19.Jahrhundert,
wurde die Krankheitsursache nur noch in der Zelle gesehen und die Humoralpathologen
welche die Krankheiten ursächlich mit "schlechten Säften" verbanden,
verloren an Wichtigkeit.
Die Wiedereinführung des Aderlasses in neuerer Zeit, ist dem Wiener Arzt B.Aschner (1883 - 1960) zu verdanken, der sich, von den traditionellen Behandlungsmethoden der Schulmedizin abwandte und die alten Heilverfahren von Hippokrates, Galen, Paracelsus , Hufeland und anderen wieder aufleben ließ. Die Wirkungsweise des roten Aderlasses ( es gibt auch einen weißen Aderlass, welcher Lymphflüssigkeit entzieht) besteht darin, daß dem Körper eine gewisse Menge Blut entzogen wird. Die entnommene Menge Blut wird durch eine entsprechende Menge Gewebeflüssigkeit wieder aufgefüllt, das Blut wird somit verdünnt und die Fließgeschwindikeit nimmt zu. Damit
einhergehend werden abgelagerte Stoffwechselschlacken mobilisiert und über
die Entgiftungsorgane Leber, Darm und Niere ausgeschieden.
Das
Knochenmark wird angeregt mehr rote und weiße Blutkörperchen
zu bilden, die Abwehrkräfte werden verstärkt.
Die Technik des Aderlasses ist sehr einfach und schmerzlos: Der
Patient liegt bequem auf der Liege, eine Vene wird punktiert und ca 5o
bis maximal 200 ccm Blut werden entnommen. Nach einer kurzen Ruhepause
darf der Patient wieder aufstehen.
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